Wer schiesst auf Knaben?
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Hintergründe zur Sagenwelt

Man sagt, dass in der Nähe von Baden auf einer Burg eine Königstochter lebte, die oft zu einem nah gelegenen Hügel ging, um da im Schatten des Gebüsches zu ruhen. Diesen Berg aber bewohnten Geister. Eines Tages, bei einem furchtbaren Unwetter, wurde dieser verwüstet und gar aufgerissen, wodurch ein tiefer Spalt entstand. Nach diesem Vorfall, als die Königstochter erneut den Hügel aufsuchte und den Spalt erblickte, überkam sie Neugier. Sie beschloss in die geöffnete Tiefe hinabzusteigen, um sie beschauen zu können. Erst als es Nacht wurde, trat sie hinein, wurde aber alsbald von wilden, entsetzlichen Gestalten ergriffen und über eine grosse Menge Fässer immer tiefer und weiter in den Abgrund gezogen. Folgenden Tags fand man sie auf einer Anhöhe in der Nähe des verwüsteten Bergs, die Füsse in die Erde gewurzelt, die Arme in zwei Baumäste ausgewachsen und den Leib einem Steine ähnlich. Nur durch ein Wunderbild, das man aus dem nahen Kloster herbeibrachte, wurde sie aus diesem furchtbaren Zustande wieder erlöst und zur Burg zurückgeführt. Auf den Gipfel des Bergs aber setzte man ein Kreuz, auf dass niemandem solches Schicksal je widerfahre. Und so heisst noch jetzt dieser Hügel "Kreuzliberg" und die Tiefe mit den Fässern "Teufelskeller" so jedenfalls sagt man.

Der Ausdruck "Sagen", eine natürliche Folge der Sprachanwendung
Man sagt, es wird gesagt, der Volksmund sagt, … und so hat sich der Ausdruck "Sagen" ganz natürlich und nachvollziehbar aus dieser Sprachanwendung heraus etabliert. Sagen stammen vielfach aus Zeiten, als es nur wenigen Menschen vergönnt war, lesen und schreiben zu können, um damit Überlieferungen zu empfangen und weitergeben zu können. So war alleine das gesprochene Wort Mittel zur Überlieferung, eben das, was so gesagt wurde. Ansonsten würde es heissen: "Es steht geschrieben, dass …"

Erzählungen aus der Vergangenheit
Mit dem Ausdruck "Sagen" wird allgemein die Erzählung von etwas Vergangenem angenommen, in der Regel Ereignisse aus ferner Vergangenheit, um nicht zu sagen aus einer ganz anderen Zeit einer Zeit in der sich noch Dinge ereigneten, denen wir heute kaum Glauben schenken können.

Sagen aus Zeiten eines anderen Weltverständnisses
Die meisten Sagen stammen aus gottesfürchtigeren Zeiten, als die Menschen den Launen der Natur viel stärker ausgesetzt waren. Die natürlichen Ursachen hinter Phänomenen der höheren Gewalt waren für den Verstand unerreichbar. In einer Mischung aus subjektiver Wahrnehmung und objektiven Geschehens wurde einem übernatürlichen Erlebnis aus dem Reich des Unbekannten und Unerklärlichen ein erklärendes Gewand verpasst werden muss. Denn der Mensch kann und will nichts dem Unbekannten überlassen; so müssen Zwerge und Nymphen, Feen und Heilige, Zauberer und Hexen, Drachen und Einhörner und viele andere Wesen diesen unerklärlichen Raum zumindest im Geiste ersetzen. Die gewählten Wesen sind Ausdruck einer anderen, längst vergangenen Wahrnehmung der Welt, als noch die einfache Natur - das Naheliegendste damals - als Inspirationsquelle diente. Aus Geschichten von heute werden den Generationen von morgen womöglich so sagenhaften Protagonisten wie Roboter, Cyborgs, X-Meen, Aliens, Terminators usw. dienen, denn wer weiss, ob alle unsere heutigen Datenträger bis dahin die Zeit überstehen werden. Aber als Sagen werden einige von diesen bestimmt den Weg in eine fernere Zukunft, wenn auch vielleicht etwas abgewandelt und ausgeschmückt, finden.

Wann haben sich die Sagengeschichten ereignet?
In den meisten Fällen weiss das niemand so genau, und noch weniger lässt es sich beweisen. Unsere nächsten Anhaltspunkte sind Niederschriften in frühen Büchern, die Orte, Objekte, Gebäude oder Ereignisse erwähnen, woraus wir wenigstens eine vage Zeitangabe ableiten können.

Sagen als kulturelles Erbe
Längst nicht nur so physische Zeugnisse wie Gebäude, Werkzeuge, Schmuck usw. machen das kulturelle Erbe unserer Vorfahren aus, wahrscheinlich einen noch viel umfassenderen Einblick schenken uns die Sagen, wenn wir uns denn für einen vergangenen, aber damals offenbar existenten gemeinen gesellschaftlichen Geist öffnen. Und das ist es, was Sagen sind, Zeugnisse unseres geistigen und kulturellen Erbes, selbst dann, wenn sie durch die Zeit abgewandelt wurden, denn dann sind sie sogar Ausdruck einer Zeitspanne und nicht nur das Bild eines Zeitpunktes.

 
   

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