Fastenzeit und Fischgerichte
Ora et labora, arbeite und bete; der Wahlspruch der Benediktinermönche erinnert uns daran, wie sehr das Leben im Mittelalter von der Kirche geprägt war. Für uns heute undenkbar, nahmen die Fastentage mehr als einen Drittel des Jahres ein. Mittwoch und Freitag waren zudem feste fleischfreie Tage.
Das Fasten bezog sich nicht nur darauf, kein Fleisch zu sich zu nehmen, sondern auch auf Eier, Milch und Milchprodukte wie Käse und Quark zu verzichten.
Erst ab 1491 sind Milch und Eier gestattet doch wird es nicht gerne gesehen.
Schlaue Köche zeigten sich damals bereits erfindungsreich und kreierten Fischspeisen, die so gewürzt wurden, dass sie nach Fleisch schmeckten, erfanden «falsche» Eier und suchten nach Auswegen aus dem strengen Regelwerk.
Besonders die Geistlichkeit und ihre Köche zeigten sich hier findig: so wurde die Definition der Wassertiere erweitert und der Biber diesen Tieren zugeordnet (sein geschuppter Schwanz ging als Fischschuppen durch).
Zu diesen gewöhnlichen Fastentagen und Fastenregeln kommen auch Sonderregeln für bestimmte Gruppen, insbesondere geistliche Orden, zu Stande.
Den Benediktinern war es zum Beispiel nicht erlaubt, vierfüssige Tiere zu essen den Mönchen wohlgemerkt, nicht dem hohen Klerus. Die Hühner waren dieser Regel nicht leicht einzuordnen. Bis im 9. Jahrhundert der Bischof von Mainz, Harbanus Maurus, eine Lücke im Gesetz fand: Vögel und Fische wurden von Gott am gleichen Tag erschaffen, also sind sie der gleichen Gattung zuzuordnen und dürfen, «aus den Tiefen des Suppentopfes hervorkommend, wie die Fische aus den Tiefen des Meeres gekommen sind
», auch verspeist werden.
Nicht zuletzt diesem strengen Kirchenregime verdanken wir die zahlreichen Fischrezepte aus jener Zeit. Fisch durfte nämlich immer gekocht werden, denn er galt nicht als Fleisch!
Heute präsentieren wir Ihnen leckere Fischgerichte, ein guter Teil dieser Rezepte stammt aus dem Fischkochbuch des Schweizers Conrad Gesner.
Die Innerschweizer wie Wilhelm Tell lebten nicht nur inmitten prachtvoller Berge, sondern auch direkt an den Gestaden des grossen Vierwaldstättersees.
Sicherlich haben diese Menschen damals häufig Fische in der Pfanne gebrutzelt.
Dabei dürfte es sich vor allem um Forellen, Hechte, Eglis, Barsche und wo die Laichwege vorbeiführten Lachse gehandelt haben.
Zu den mundigen Fischrezepten haben wir Ihnen auch ein paar spezielle, einfache Fastenrezepte dazugestellt, welche auch heute noch einen Kochversuch wert sind.
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Victorinox und bio-familia
Textquelle:
Tell kocht!, iTS Buchverlag