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Design & Architektur

Der Rucksack

Zuzka (*1973) und Katka (*1975) Griesbach sind 1982 mit ihren Eltern aus der kommunistischen Tschechoslowakei in die Schweiz geflüchtet. Nach der Handelsmittelschule in Frauenfeld arbeiteten die beiden Schwestern zuerst in kaufmännischen Berufen. Zuzka Griesbach war dann in Florenz in einem Designstudio und in Mailand bei Condé Nast tätig, während sich Katka nach einem USA-Aufenthalt an der Hochschule für Gestaltung in Zürich weiterbildete und ein Praktikum als «Feintäschnerin» absolvierte. 2005 gründeten sie zusammen ihr Label «Griesbach», seit 2013 verkaufen sie ihre Taschen und Accessoires auch im eigenen Laden in Winterthur.

von Gabrielle Boller

Ein wenig erinnert der schlichte Beutel mit den feurig roten Kordeln an einen Seesack, oder auch an jenes unzerstörbare Säckchen aus meist buntem Stoff, das einem in Kindertagen beim Gang in die Turnhalle treue Dienste leistete. Aber nur ein wenig. Denn nimmt man den Beutel in die Hand, spürt man ein weiches, geschmeidiges und fein strukturiertes Rindsleder, das sich fast zärtlich in die Hand schmiegt – also eindeutig zu schade für nassgeschwitzte Turnhosen oder feuchtes Ölzeug! Obwohl einem der Rucksack der Schwestern Katka und Zuzka Griesbach das Beladen mit solchen Dingen nicht übel nehmen würde, denn alle ihre Taschen, und folglich auch der schlichte Rucksack im samtig grün-silbernen Salbeiton, sind keine Dekorations-, sondern Gebrauchsobjekte. Die beiden Designerinnen gestalten seit 2005 Taschen unter dem Label ihres Familiennamens, funktional und formschön, so wie der schlichte Rucksack. Aussen robust und innen fein baumwollen ausgefüttert, nimmt er spielerisch die klassischste aller möglichen Formen für ein «Ränzel» auf und verwandelt es in einen ebenso eleganten wie nonchalanten und praktischen Alltagsbegleiter – der einem auch noch einen verwegenen Hauch Meeresbrise um die Nase wehen lässt.

So puristisch wie der Rucksack-Bag zeigen sich alle Taschen der Griesbach-Schwestern, die in ihren Kollektionen die Klassiker von der Schultertasche über die kleine Clutch bis zur Tote Bag, also der für den Grosseinkauf tauglichen Tragetasche, oder dem geräumige Weekender jede Saison frisch interpretieren, sich aber nie am bloss Modischen orientieren. So sieht man bei ihnen keinen Schnickschnack, dafür aber feinstes Rinds- oder Kalbleder aus deutschen Gerbereien – in der Schweiz gibt es leider keine mehr. Zurückhaltende Naturtöne wie Schiefer, Beigerosa und Camel, samtiges Schwarz oder auch einmal ein dezent metallisiertes Crackelée unterstreichen die schlichten Formen der Taschen, die natürlich auch stilvoll altern und mit jedem Jahr ein bisschen mehr an individuellem Charakter entwickeln. Ja, solche Taschen können das, im Gegensatz zu windigen Trendstücken. Produzieren lassen die auf Nachhaltigkeit bedachten Schwestern in einer kleinen Manufaktur im Tessin, auch die Reissverschlüsse kommen aus der Schweiz, von der traditionsreichen Firma Riri in Mendrisio, die Bauwollkordeln für die Rucksäcke aus einer kleinen Seilerei in Winterthur – das Label «Made in Switzerland» tragen die Taschen sehr zu Recht. Dass das Handwerk Katka und Zuzka Griesbach am Herzen liegt, merkt man ihren Produkten an – klar konstruiert, im Detail funktional ausgeklügelt und aus erstklassigen Materialien gefertigt sind sie krisenfeste Begleiter von zeitloser Eleganz. Wenn man eine Tasche zum Überleben braucht, dann so ein intrinsische Robustheit ausstrahlendes, von jeglichem Firlefanz befreites Exemplar.


 130,    28  Aug  2017 ,   Design & Architektur
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