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Design & Architektur

La Pergola

Daniel Spreng, geboren 1949 in Bern, absolvierte nach einer Hochbauzeichnerlehre das Technikum in Burgdorf und schloss 1975 sein Architekturstudium mit dem Diplom ab. 1977 gründete er sein eigenes Büro Spreng + Partner Architekten AG in Bern, das heute ein Team von achtzehn Mitarbeitern umfasst. Zu den bekanntesten Projekten zählen Wohnüberbauungen und Umbauten wie das Bally Design & Engineering Center in Schönenwerd, das Hochschulzentrum von Roll in Bern, die Überbauung Chirchacher in Muri oder exklusive Lofts im Berner Mattequartier.

von Gabrielle Boller

Ein Haus fast wie eine Gartenlaube – so luftig und mühelos fliesst der Aussen in den Innenraum, scheinen sich Natur und Architektur zu durchdringen, dass man das Gebäude einem Traum von südlicher Unbeschwertheit entsprungen glaubt. Vier Häuser dieser Art sind es, die 2003 am rechtsufrigen Nordhang der Aare, mitten in Bern, unterhalb des Kursaals und nahe der Kornhausbrücke, vom Architekten Daniel Spreng in die Parklandschaft eines alten historistischen Villenensembles aus dem 19. Jahrhundert hineingebaut wurden. Tatsächlich sorgte die radikale Modernität der zweigeschossigen Häuser mit Atelieraufbauten an diesem von behaglich grossbürgerlicher Tradition geprägten Ort erst für einigen Widerstand – doch inzwischen ist die Architektur mit ihrer pavillonartigen Leichtigkeit hier im Altenbergquartier selbst zum modernen Klassiker geworden. Das Erscheinungsbild ist denn auch geprägt von einer strengen Schlichtheit, die man gerne als Reduktion aufs Wesentliche bezeichnet – vier Materialien, Stahlbeton, patiniertes Kupferblech, Glas und Holz bestimmen das Äussere; Nord- und Ostfassade geben als Winkel aus Stahlbeton rückwendig den Halt, Süd- und Westfassade hingegen sind komplett verglast und transparent.

Das verspielte Flair und ihren südländischen Charme verdanken die Geschosse auf diesen beiden Seiten den durchgehenden, unterschiedlich breiten Loggien, die zum einen den Wohnraum erweitern und gleichzeitig mit raumhohen Schiebeläden vor der Brüstung Sonnen-, Sicht- und Wetterschutz bieten. Die Fensterrahmen, der Lattenrost und die Läden sind aus hellem Lärchenholz, das mit seinem warmen Ton dem kruden Industrieschick der Betonböden und der Edelstahlküchen der Wohnungen entgegentritt. Dass sich auf diese Weise fast beiläufig Harmonie einstellt, ist für den Architekten wichtig: «Eine gute Wohnung braucht einen Rücken, viel Sonne und Ausgewogenheit in den Materialien», meinte er einmal in einem Interview. Umbauten und Erweiterungen von Einfamilienhäusern auf früheren Besitztümern mit grossem Umschwung oder Wohnüberbauungen bilden denn auch einen Schwerpunkt in der Arbeit von Daniel Spreng und seinem Büro – ein besonderes Augenmerk gilt dabei der Innengestaltung, bei der nicht nur die Materialien sorgsam zueinander in Bezug gesetzt sind, sondern auch Zonen grösstmöglicher Offenheit gegen aussen und geschützte Rückzugsorte sich ergänzen. Die Architektur ist ein Angebot zur individuellen Nutzung – in den «La Pergola»-Häusern kann man mit den Räumen spielen, das Private, Halbprivate und Öffentliche in Fluss bringen und immer wieder neu bestimmen; es bleibt den Bewohnern überlassen, wie viel Nachbarschaft sie pflegen möchten. Wenn das Sonnenlicht vom Blattwerk der alten Parkbäume sanft gestreut durch die Jalousien tröpfelt, wenn weiter unten ein Stückchen Aare und gegenüber die Altstadt von Bern diskret das Blickfeld rahmen, dann ist man ohnehin ganz für sich und weitab vom Trubel in diesem grünen Idyll mitten in der Stadt.


 1675,    01  Sep  2016 ,   Design & Architektur
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